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Nur wenige Nachrichten haben Netzgemeinde und einen Großteil der Web 2.0-Presse in letzter Zeit so in Aufregung versetzt wie eine kleine, Ende Januar als Online-Post abgesetzte Nachricht von Twitter Unternehmensseite: Der Mediendienst gab bekannt, Inhalte, die die Gesetzgebung in einem Land verletzen würden, nicht mehr weltweit zu löschen, sondern nur noch lokal zu blockieren. Ein kluger Blogeintrag des beim NDR beheimateten kritischen Nachrichtenmagazins Zapp zeigt, wie sich daraufhin eine riesige "Hyperventilation im Hyperspace"-Welle im Netz erhebt, die nichts weiter als den „Untergang des freien Internets“ beschwört – selbst wenn am Ende der Empörungswelle die Erkenntnis steht, dass es Twitter seinen Usern gleichzeitig „kinderleicht“ macht, wie Zapp so schön sagt, auch geblockte Tweets am Ende doch lesen zu können. Denn die Nationalblockaden lassen sich durch manuelle Änderungen der Landeseinstellungen leicht umgehen. Glücklicherweise gehört die Zapp-Redaktion zur kleinen Gruppe der Journalisten, die die geplanten Änderungen zunächst einfach erst einmal mal sachlich unter die Lupe nimmt.
Der ‚Twitter‘-Fall demonstriert exemplarisch und sicherlich auch lehrreich, wie sich in der heutigen ‚Echtzeit‘-Medienlandschaft typische Empörungs-Überreaktionen verbreiten. Die Empörungswelle ist aber natürlich längst kein unbekanntes Phänomen im Web 2.0-Zeitalter. Vielmehr weist dieser Fall doch auch sehr deutlich auf die Tatsache hin, dass über den heute so selbstverständlichen Umgang mit Twitter, Facebook, Google+ und Co schlicht und einfach vergessen wird, wer hinter all diesen Mediendiensten steht: Wirtschaftsunternehmen, die damit ihr Geld verdienen und anscheinend etwas richtig gemacht haben. Denn Microblogging-Alternativen auf Open-Source-Basis mit ähnlich leicht anwendbarer Technik gibt es bisher noch nicht wirklich – der große Erfolg dieser Netzwerke basiert ja u.a. darauf, dass Registrierung und Nutzung selbst für technische Laien recht problemlos bewältigt werden kann. Durch diese tägliche kostenlose Nutzung tritt aber anscheinend das Bewusstsein, in erster Linie eigentlich nur ‚Kunde‘ zu sein, mehr und mehr in den Hintergrund. Das zeigt ja nicht nur diese aktuelle Twitter-Zensurdebatte, sondern auch die Diskussion um die erzwungene Timeline-Funktion bei Facebook.
Bei aller Begeisterung über die faszinierenden Möglichkeiten der sozialen Netzwerke – auch bei der nicht-privaten Nutzung z.B. im Unternehmensumfeld – lautet die Empfehlung an den Anwender daher unbedingt, diese Kanäle einfach nicht naiv zu nutzen. Denn erstens ist die Filterung von Inhalten bei Großunternehmen überhaupt nichts Neues, und zweitens findet der Kampf um die Freiheit im Internet doch längst schon auf ganz anderen Ebenen statt. Und drittens zeigt der Twitter-Fall am Ende dann ja doch auch: Es gibt sie noch, die Journalisten, die sich selbst im Echtzeit-Web 2.0 Newsalter noch die Zeit nehmen, eine Nachricht kritisch zu prüfen und unaufgeregt zu bewerten.
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